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Wir in unser hochzivilisierten Gesellschaft bekommen heute in der Regel andere Krankheiten als früher. Noch wichtiger diese Krankheiten haben ganz andere Ursachen und Folgen. Vor Tausenden von Jahren konnte es vorkommen, dass ein junger Jäger/Sammler, ohne es zu merken, eine von Milzbrand zerfressende Antilope verzehrte. Die Folgen sind klar - ein paar Tage später ist er tot. Heute meint ein junger Anwalt, ohne groß darüber nachzudenken, dass rotes Fleisch, gebratene Speisen und zwei Halbe Bier pro Abendessen eine zuträgliche Ernährung darstellen, und die Folgen liegen keineswegs auf der Hand - fünfzig Jahre später ist er vielleicht durch ein Herzkreislaufleiden zum Invaliden geworden, oder er macht Radtouren mit seinen Enkelkindern. 

 

Welches Resultat eintritt, hängt von einigen eindeutig bestimmbaren Faktoren ab, etwa von der Fähigkeit seiner Leber, Cholesterin zu verarbeiten, von der Konzentration bestimmter Enzyme in seinen Fettzellen, von einer angeborenen Schwäche in den Wänden seiner Blutgefäße. Aber das Resultat wird auch stark durch solche Unwägbarkeiten bedingt sein wie seine Persönlichkeit, dass Ausmaß an seelischem Stress, der er im Lauf der Jahre erlebt, und ob es jemanden gibt, bei dem er sich "ausweinen" kann, wenn diese Belastungen auftreten. 

 

In der Medizin hat sich eine Revolution des Denkens über die Krankheiten vollzogen, die uns heute zu schaffen machen. Es geht darum, die Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und Seele* zu erkennen, die Weg und Kanäle, über die Emotionen und Persönlichkeit die Funktionsfähigkeit und die Gesundheit praktisch jeder Zelle des Körpers beeinflussen. Es geht um die Mechanismen, durch die Stress manche von uns anfälliger für Krankheiten macht, wie manche Menschen mit Stressoren fertigwerde , und um die entscheidende Erkenntnis, dass man eine Krankheit nicht wirklich in vacuo verstehen kann, sondern nur im Kontext der Person, die an dieser Krankheit leidet.  

 

Dies ist das Thema dem ich mich heute und in den kommenden Beiträgen widmen möchte. Ich beginne, indem ich die Bedeutung des nebulösen Begriffs "Stress" zu klären versuche und so schmerzlos wie möglich vermittle, wie verschiedene Hormone und Teile des Gehirns als Reaktion auf Stress mobilisiert werden. Ich setze mich dann mit den Zusammenhängen zwischen Stress und erhöhtem Risiko bestimmter Krankheitsformen auseinander und gehe systematisch die Auswirkungen von Stress z. B. auf den Blutkreislauf, die Energiespeicherung, auf das Wachstum, die Fortpflanzung, das Immunsystem und so weiter durch. 

 

Manche der Erkenntnisse scheinen zunächst erdrückend - anhaltender oder wiederholter Stress kann unseren Körper auf nur jede erdenkliche Weise zerrütten. Doch die meisten Menschen werden nicht zwangsläufig durch stressbedingte Krankheiten außer Gefecht gesetzt. Vielmehr kommen wir physiologisch und psychologisch mit der Situation zurecht, und manche schaffen das geradezu fabelhaft. Für den Leser der bis zum Ende durchgehalten hat, fasst der letze Teil zusammen, was über Stressbewältigung bekannt ist und wie sich einige dieser Prinzipien auf unser tägliches Leben anwenden lassen. Da gibt es viele Gründe zum Optimismus.